
Paraflash-Verdampfer: wegweisende neue Technologie für Molkebehandlung
Bei der Herstellung von Käse- und Milchprodukten fällt zunehmend mehr Molke an, die oft durch Ultrafiltration in konzentrierte Molkenprodukte umgewandelt wird. Bei diesem Verfahren fällt zugleich eine große Menge an proteinfreiem Permeat (Filtrat) an. Auch werden Konzentrate mittels Eindampftechnik hergestellt. Das dänische Technologieunternehmen APV Anhydro hat in den vergangenen Jahren mit ihrem sogenannten Paraflash-Verdampfer das neue SCW- bzw. SCP-Verfahren (super concentrated whey process bzw. superconcentrate permeate process) entwickelt. Dabei wird vor der Sprühtrocknung die Molke bzw. das Permeat wesentlich höher konzentriert als bei dem klassischen Eindampfprozess. Durch den Paraflash-Eindampfer wird der bisherige, dem nachfolgenden Trocknungsprozess vorgeschaltete Laktose-Kristallisationsprozess deutlich verkürzt, die Durchsatzleistung der Trocknungsanlage um 50 % bei Molke und um nahezu 100 % bei Permeat erhöht. Zugleich wird Energie in nennenswertem Umfang eingespart. In enger Zusammenarbeit mit dem Bereich Technik und Produktion der Molkerei A. Müller ist das Verfahren 2002 im Betrieb Leppersdorf in Sachsen zur Praxisreife weiterentwickelt worden. Nach den in Leppersdorf erzielten Ergebnissen verbessert sich der Grad der Eindampfung von Molke von bisher 60 % Trockenmasse auf 72 % und bei Permeat von 65 % sogar auf 78 %. Das neue Verfahren verkürzt den traditionellen Kristallisationprozess von bisher 20 bis 24 Stunden auf eine Stunde. Dadurch ist eine kontinuierliche Laktose-Kristallisation möglich, was zu spürbaren Wasser- und Energieeinsparungen führt. Diese Merkmale des neuen Prozesses haben die international zusammengesetzte Jury von anerkannten Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland überzeugt und dazu bewogen, das neue Verfahren der Molke- und Permeat-Konzentrierung und Trocknung als wegweisende Innovation einzustufen.
Neue Verarbeitungsmöglichkeiten und Qualitätspotenziale durch neues Verfahren für die industrielle Schokoladenherstellung
Das Schweizer Maschinenbauunternehmen Bühler AG erhielt den Preis für ihr neues Verfahren zur Vorkristallisation von Schokolade. Wie die Jury in ihrer fachlichen Würdigung hervorhob, ermöglicht es für die industrielle Schokoladenherstellung neue Verarbeitungsmöglichkeiten und Qualitätspotenziale. Das Verfahren, das in mehrjähriger Zusammenarbeit mit namhaften Schweizer Schokoladenherstellern und der ETH Zürich entwickelt wurde, wird inzwischen in fünf Schweizer Betrieben mit sehr guten Ergebnissen eingesetzt. Die neue "SeedMaster" genannte Anlage ersetzt die bisherige konventionelle Vorkristallisation der Schokoladenmasse vor der Eintafelung oder Formgebung. Sie ermöglicht die schnelle Kristallisation und den Aufbau eines feinkristallinen Gefüges, was zu einer kompakteren und damit dichteren Struktur als die nach dem konventionellen Verfahren hergestellten Schokoladenfüllungen führt. Mit dem neuen Verfahren wird zugleich das Migrieren flüssiger Fettanteile aus der Füllung in die begrenzende Schokoladenmasse deutlich verzögert und verhindert damit den qualitätsmindernden sogenannten "Fettreif". Die mit dem neuen Verfahren hergestellten Schokoladenprodukte weisen neben einem deutlich besseren Glanz eine höhere Festigkeit auf und verbessern durch Energieeinsparungen zudem die Wirtschaftlichkeit.
Gewichtsgenaue vollautomatische Portionierung von pasteusen Convenience-Produkten
Bei der Herstellung von Fleisch- und Convenience-Produkten wie Feinkost-, Kartoffel-, Fisch- und Käseerzeugnissen ist in der Praxis das vollautomatische genaue Portionieren bisher noch nicht zufriedenstellend. Das Maschinenbau-Unternehmen VEMAG hat 1999 mit der Entwicklung eines Füllstromteilers begonnen, um eine vollautomatische Portionierung dieser Produkte und einen Einsatz in eine mehrbahnige Verarbeitung zu erzielen. In der Praxis sind kontinuierliche Füllströme von elementarer Bedeutung und zudem wird die Aufteilung in mehrere identische Füllströme verstärkt gewünscht. Die Serienreife für den Füllstromteiler ist von VEMAG in 2002 erreicht worden und inzwischen liegen in der Praxis sehr gute Erfahrungen vor, wie die Jury bei ihren Erhebungen in den Betrieben feststellen konnte. Diese haben eine einfache Handhabung, geringe Fehlermöglichkeiten, hohe Gewichtsgenauigkeit und eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit ergeben. In ihrer fachlichen Würdigung bezeichnete die Jury die Neuentwicklung als eine vorbildliche Innovation, die bei der Lebensmittelherstellung genau dem aktuellen Trend nach einfacheren, schnelleren und genaueren Maschinen und Apparaten entspricht. Die Jury sieht darin zudem einen effektiven Beitrag zur weiteren Automatisierung in der Fleisch- und Convenience-Branche, der hier insgesamt noch nicht so stark ausgebildet ist wie in der Milch- und Getränkeindustrie.

Der European FoodTec Award ist im Jahre 1994 von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) gemeinsam mit dem Verlag Th. Mann GmbH und seinen Fachzeitschriften „EDM - European Dairy Magazine“ und „DMW – Die Milchwirtschaft“ gestiftet worden. Er wurde bis zum Jahre 2000 alle zwei Jahre aus Anlass der Ausstellung „Anuga FoodTec“ und der „Kölner FoodTec Tage“ verliehen. Im Jahre 1998 ist der Kreis der Preisstifter durch den Deutschen Fachverlag (Frankfurt am Main) und seinen Zeitschriften "Fleischwirtschaft" sowie "Fleischwirtschaft International" sowie im Jahre 2006 um die im LT Food Medien-Verlag (Hamburg) herausgegebene Zeitschrift „Lebensmitteltechnik“ erweitert worden. Die EFFoST (European Federation of Food Science and Technology) gehört seit 2008 zu den Preisstiftern.
Seit 2011 heißt der Innovationspreis "International FoodTec Award".